Die neue Velen der Propstei
Die Propstei St. Peter und Paul hat einem Gelübde entsprechend seit fast 70 Jahren tägliche Anbetung der Eucharistie in der Kirche.
Jeweils nach der Morgenmesse wird die Monstranz mit der Eucharistie feierlich in die Sakramentskapelle rechts in die Nähe des Seiteneingangs getragen und vor der Abendmesse wieder zurückgeholt. Danach gibt es durch den Priester den feierlichen sakramentalen Segen. Zur Übertragung des Allerheiligsten nutzt der jeweilige Priester ein Velum. Dieses ist traditionell in weißem Stoff entsprechend der Bedeutung der Eucharistie. Da jedoch die liturgische Farbe nach Jahreszeit und Heiligengedenken wechselt, haben wir mit der Künstlerin Silke Felchner aus der Gemeinde in Bochum neue Velen entwickelt in liturgischen Farben, mit verschiedenen Motiven und Applikationen aus alten Messgewändern und neuen Stoffen.
Diese Velen entsprechen dann jeweils der liturgischen Farbe des Kirchenjahres oder des Festtages und stellen auch eine farbliche Verbindung zur Eucharistie her. Die Motive und Symbole wurden jeweils in künstlerischer Kreation und meditativer, betender Durchdringung entwickelt und komponiert.
Definitionen:
Velum
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)
Der Begriff Velum (lat. Segel; Hülle) bezeichnet meist lappen- oder segelartige Strukturen, insbesondere:
• in der katholischen Liturgie
o Segensvelum, das Schultertuch eines katholischen Priesters, das er beim Erteilen des sakramentalen Segens trägt;
in Gottesdiensten wird es als Zeichen der Ehrfurcht verwendet, um das Allerheiligste (oder Reliquien) in der Monstranz nicht mit bloßen Händen zu berühren
o Kelchvelum, ein Tuch, das den Abendmahlskelch und das Ziborium abdeckt
o Schultervelum für Meßdiener (Signiferi), die die Insignien des Bischofs tragen.
• in der Antike einen Türvorhang
• in der Anatomie eine bewegliche Platte, etwa das Gaumensegel (Velum palatinum) oder die Marksegel im Kleinhirn (Velum medullare inferius und Velum medullare superius)
• in der Zoologie einen überstehenden Lappen am Schirmrand einer Meduse (Qualle)
• in der Mykologie die häutige Hülle junger Pilze
• in der Meteorologie eine Begleitwolke Velum (Wolke)
• in der Kunst der Renaissance ein Hilfsmittel für perspektivisches Zeichnen
• in der Linguistik bezeichnet es den weichen Teil des Gaumens, der den Zugang zur Nasenhöhle durch Heben und Senken, öffnen und verschließen kann; dadurch lassen sich nasale und orale Laute bilden, damit ist es ein Artikulationsorgan.
Segensvelum
Das Segensvelum ist ein rechteckiges Tuch, das dem Priester zum sakramentalen Segen um die Schulter gelegt wird.
Meist ist es aus kostbaren Stoffen gefertigt, mit Stickerei oder Borten verziert und oft in der gleichen Art wie der Rauchmantel gefertigt. Vor allem wird beides zu eucharistischen Andachten und Prozessionen getragen.
Auf der Innenseite des Velums ist es mit einem dünnen Stoff gefüttert und es sind links und rechts Taschen eingenäht in die der Priester seine Hände legt und somit die Monstranz oder das Ziborium nicht mit bloßen Händen, sondern mit dem Futterstoff berührt. Es dient als Zeichen der Ehrfurcht. An einer Seite des Velums sind zwei breitere Bänder angenäht, auf deren Enden an einer Seite, meist sehr kunstvoll verziert, in Gold, ein Haken, auf der anderen eine Kette, angebracht sind. Beides dient zum einfachen Verschließen des Velums, so dass es nicht nach hinten oder seitlich bei Bewegungen herunterrutschen kann. Das Schultervelum wird dem Priester nur zum Segen umgelegt und danach wieder abgenommen oder er trägt es während eucharistischen Prozessionen in der Zeit, in der er die Monstranz hält.
Für die Monstranz kann jede konsekrierte Hostie verwendet werden, doch werden häufig besonders große oder mit einem geprägten Bild verzierte Hostien in die Monstranz eingelegt.
Die Katholische Kirche verwendet Monstranzen im Rahmen von Sakramentsprozessionen vor allem an Fronleichnam, bei der eucharistischen Anbetung und zu Segensandachten. Während der Prozession und beim eucharistischen Segen hält der Priester die Monstranz nicht mit bloßen, sondern mit verhüllten Händen in einem speziellen Schultertuch, dem Velum. Die Verhüllung der Hände ist ein antiker Ehrfurchtsgestus und diente außerdem zum Schutz der kostbaren Metallgeräte. Außerdem wird die Monstranz auf einem würdig gestalteten Podest erhöht ausgesetzt, so dass sie von allen Anwesenden gesehen werden kann. Mit der Monstranz kann ein Eucharistischer Segen erteilt werden. Zuvor wird in der Liturgie das Tantum ergo gesungen.
Wenn die konsekrierte Hostie nicht ausgesetzt ist, wird sie in einer Custodia im Tabernakel auf dem Hochaltar aufbewahrt.
Kontakt:
Silke Felchner
Tel: 0234 5844498
Weißes Seiden-Velum
(mit altem Japangold, handverlesenen Daunen innen und schwarzem Baumwollfaden)
Das Tuch ist gedrittelt in unterschiedliche Seelenfenster. Herzstück ist die goldene Dornenkrone, das Gold als Sinnbild der Auferstehung. Die Krone liegt auf dem genähten Hohelied der Liebe aus dem AT. Die irdische Liebe ist so mit der Göttlichen verbunden. Die schwarzen Flächen auf rotem Untergrund stehen für die beiden Schächer am Kreuz. Das Rot ist einerseits das vergossene Blut oder die Schändung von Menschen, andererseits auch das pulsierende und lebendige Rot für das Leben. Die drei Seelenfenster spiegeln Kreuzigung, Tod und Vergänglichkeit wieder. Die Dornenkrone in Gold ist die Aufriegelung zum Göttlichen und gibt uns die Perspektive ins Überirdische.
Die Säume des Gitters sind bewusst gerissen, um geschmolzene Emotionen darzustellen.
Schwarzes Seiden-Samt-Tuch
(mit altem Samt und Blumenbordüren und Motiven aus einem Messgewand und neuer Kaschmirseide)
Die alten Formen der zerschlissenen Messgewänder werden aufgerissen, neu zusammengesetzt und wieder tragfähig gemacht. Eine Lichtspur durchläuft das Velum. Darauf taucht auf der einen Seite das Alpha, auf der anderen das Omega auf. In der Mitte befindet sich auf der Lichtspur ein Kreuz. Diese ist aus alten morbiden Blumenranken und Motiven eines schwarzen Messgewandes zusammengesetzt. Es ist ein Zusammenspiel von hellen und dunklen, alten und neuen Stoffen (Samtausbrenner und Seide). Das Dunkle wird von einer Lichtspur durchzogen, an drei Stellen sichtbar.
Rotes Samttuch
(mit altem Samtgrund, Motivapplikation, Buchstaben aus Japangold, Schafswolle und Kaschmir)
Alter Brokatsamt ist aufgearbeitet, durch das Aufreißen der alten Stoffe werden Emotionen frei. Diese sind als graphische Muster durch Übernähen im Seidenbrokat sichtbar. Die Plastizität ergibt sich durch die eingefüllte Schafswolle. Die Japangoldbuchstaben sind aus einem alten Altartuch aus rotem Samt herausgeschnitten. Sie sind auf der einen Seite zu JESUS, auf der anderen Seite zu CHRISTUS neu zusammengefügt. Die Buchstaben sind mit Kaschmir gefüttert und in den Stoff „eintätowiert“. Das gleiche Verfahren ist mittig beim applizierten Herzstück gemacht worden. Der Pelikan als Hingabemotiv stammt aus einem alten Messgewand. Der alte Stoff ist mit roter Seide eingerahmt und mit Seidenfutter verstürzt, von innen mit Schafwolle ausgefüllt, um die Spannung der Applikation auszugleichen.
Grünes Seidentuch
(mit einem Stoffstab einer Kreuzigung, die zweimal übernäht wurde)
Zwei verschiedene Grüntöne aus Seide sind miteinander kombiniert worden. Das Leuchtende oben gleicht den alten grünen Gewändern der Propstei. Das Changierende unten verbindet sich mit den neuen modernen Gewändern.
Das Kreuz ist aus einer alten Casel. Die Christusfigur darin ist der älteste Teil der Kreuzigungsgruppe. Das Kreuz ist appliziert und bestimmt die Breite des Velums. Aus dem Herzen Jesu, aus seiner Seitenwunde fließt ein rotes Band und zeichnet eine EKG Kurve. Das Band ist gefilzt aus roter Schafswolle und steht für die pulsierende Wärme und das lebensbejahende Prinzip. Die Ellipse hat zwei Pole, damit ist der innere Dialog mit Gott gemeint.
Violettes Seidentuch
(changierender Viscosesamt, Baumwollsamt, Seidentaft, Seidenpongee)
Der Körper ist das violette Tuch, die äußere Form. Die 5 Wunden sind die Öffnung, die innere organische Form. Rot steht für das Leben. Der Perspektivenwechsel erfolgt, indem das Tuch von der Senkrechten in die Waagrechte gedreht wird. Die 5 Wunden entsprechen einem lebensgroßen Körper, oben die Kreise für die Hände, mittig die Seitenwunde für das Herz und unten die Füße. Die Christuskraft strömt durch die 5 Wunden nach außen. Die beiden roten Samtpfeile sind richtungsweisend auf die Monstranz. Ein weicher Stoff für die Sanftmütigkeit Jesu, denn er ist angekommen (Geburt), er ist wirklich da (Auferstehung).




















