Die Velen

Die Propstei St. Peter und Paul hat einem Gelübde entsprechend seit fast 70 Jahren tägliche Anbetung der Eucharistie in der Kirche.
Jeweils nach der Morgenmesse wird die Monstranz mit der Eucharistie feierlich in die Sakramentskapelle rechts in die Nähe des Seiteneingangs getragen und vor der Abendmesse wieder zurückgeholt. Danach gibt es durch den Priester den feierlichen sakramentalen Segen. Zur Übertragung des Allerheiligsten nutzt der jeweilige Priester ein Velum. Dieses ist traditionell in weißem Stoff entsprechend der Bedeutung der Eucharistie. Da jedoch die liturgische Farbe nach Jahreszeit und Heiligengedenken wechselt, haben wir mit der Künstlerin Silke Felchner aus der Gemeinde in Bochum neue Velen entwickelt in liturgischen Farben, mit verschiedenen Motiven und Applikationen aus alten Messgewändern und neuen Stoffen.
Diese Velen entsprechen dann jeweils der liturgischen Farbe des Kirchenjahres oder des Festtages und stellen auch eine farbliche Verbindung zur Eucharistie her. Die Motive und Symbole wurden jeweils in künstlerischer Kreation und meditativer, betender Durchdringung entwickelt und komponiert.




Weißes Seiden-Velum
(mit altem Japangold, handverlesenen Daunen innen und schwarzem Baumwollfaden)

Das Tuch ist gedrittelt in unterschiedliche Seelenfenster. Herzstück ist die goldene Dornenkrone, das Gold als Sinnbild der Auferstehung. Die Krone liegt auf dem genähten Hohelied der Liebe aus dem AT. Die irdische Liebe ist so mit der Göttlichen verbunden. Die schwarzen Flächen auf rotem Untergrund stehen für die beiden Schächer am Kreuz. Das Rot ist einerseits das vergossene Blut oder die Schändung von Menschen, andererseits auch das pulsierende und lebendige Rot für das Leben. Die drei Seelenfenster spiegeln Kreuzigung, Tod und Vergänglichkeit wieder. Die Dornenkrone in Gold ist die Aufriegelung zum Göttlichen und gibt uns die Perspektive ins Überirdische.
Die Säume des Gitters sind bewusst gerissen, um geschmolzene Emotionen darzustellen.



Schwarzes Seiden-Samt-Tuch
(mit altem Samt und Blumenbordüren und Motiven aus einem Messgewand und neuer Kaschmirseide)

Die alten Formen der zerschlissenen Messgewänder werden aufgerissen, neu zusammengesetzt und wieder tragfähig gemacht. Eine Lichtspur durchläuft das Velum. Darauf taucht auf der einen Seite das Alpha, auf der anderen das Omega auf. In der Mitte befindet sich auf der Lichtspur ein Kreuz. Diese ist aus alten morbiden Blumenranken und Motiven eines schwarzen Messgewandes zusammengesetzt. Es ist ein Zusammenspiel von hellen und dunklen, alten und neuen Stoffen (Samtausbrenner und Seide). Das Dunkle wird von einer Lichtspur durchzogen, an drei Stellen sichtbar.



Rotes Samttuch
(mit altem Samtgrund, Motivapplikation, Buchstaben aus Japangold, Schafswolle und Kaschmir)

Alter Brokatsamt ist aufgearbeitet, durch das Aufreißen der alten Stoffe werden Emotionen frei. Diese sind als graphische Muster durch Übernähen im Seidenbrokat sichtbar. Die Plastizität ergibt sich durch die eingefüllte Schafswolle. Die Japangoldbuchstaben sind aus einem alten Altartuch aus rotem Samt herausgeschnitten. Sie sind auf der einen Seite zu JESUS, auf der anderen Seite zu CHRISTUS neu zusammengefügt. Die Buchstaben sind mit Kaschmir gefüttert und in den Stoff „eintätowiert“. Das gleiche Verfahren ist mittig beim applizierten Herzstück gemacht worden. Der Pelikan als Hingabemotiv stammt aus einem alten Messgewand. Der alte Stoff ist mit roter Seide eingerahmt und mit Seidenfutter verstürzt, von innen mit Schafwolle ausgefüllt, um die Spannung der Applikation auszugleichen. 



Grünes Seidentuch
(mit einem Stoffstab einer Kreuzigung, die zweimal übernäht wurde)

Zwei verschiedene Grüntöne aus Seide sind miteinander kombiniert worden. Das Leuchtende oben gleicht den alten grünen Gewändern der Propstei. Das Changierende unten verbindet sich mit den neuen modernen Gewändern.
Das Kreuz ist aus einer alten Casel. Die Christusfigur darin ist der älteste Teil der Kreuzigungsgruppe. Das Kreuz ist appliziert und bestimmt die Breite des Velums. Aus dem Herzen Jesu, aus seiner Seitenwunde fließt ein rotes Band und zeichnet eine EKG Kurve. Das Band ist gefilzt aus roter Schafswolle und steht für die pulsierende Wärme und das lebensbejahende Prinzip. Die Ellipse hat zwei Pole, damit ist der innere Dialog mit Gott gemeint.



Violettes Seidentuch
(changierender Viscosesamt, Baumwollsamt, Seidentaft, Seidenpongee)

Der Körper ist das violette Tuch, die äußere Form. Die 5 Wunden sind die Öffnung, die innere organische Form. Rot steht für das Leben. Der Perspektivenwechsel erfolgt, indem das Tuch von der Senkrechten in die Waagrechte gedreht wird. Die 5 Wunden entsprechen einem lebensgroßen Körper, oben die Kreise für die Hände, mittig die Seitenwunde für das Herz und unten die Füße. Die Christuskraft strömt durch die 5 Wunden nach außen. Die beiden roten Samtpfeile sind richtungsweisend auf die Monstranz. Ein weicher Stoff für die Sanftmütigkeit Jesu, denn er ist angekommen (Geburt), er ist wirklich da (Auferstehung).

 





Kontakt:
Silke Felchner 
Tel: 0234 5844498