Die Propsteikirche St. Peter und St. Paul

Die Kirche

Die Propsteikirche St. Peter und Paul ist die älteste Kirche Bochums. Bereits zwischen 785 und 800 ließ Kaiser Karl der Große auf dem Gelände, das heute von Nordring, Bleichstraße, Untere Marktstraße und Große Beckstraße umsäumt wird, einen Reichshof anlegen. Auf dem Hügel nebenan entstand eine wahrscheinlich hölzerne Missionskapelle, die dem heiligen Petrus geweiht war. Dieser Bau wurde im 11. Jahrhundert durch eine steinerne Saalkirche abgelöst, die jedoch beim größen Stadtbrand am 25. April 1517 den Flammen zum Opfer fiel. Unter Wiederverwendung des alten romanischen Chors wurde das Gotteshaus als spätgotiche Hallenkirche bis 1547 wiederaufgebaut. Der 68 Meter hohe Turm gilt seitdem als ein Wahrzeichen Bochums. Zusätzlich zu St. Peter erhielt die Kirche damals auch den zweiten Apostelfürsten St. Paul als Pfarrpatron. Erst 1888 wurde sie durch päpstliches Dekret in den Rang einer Propstei-Kirche erhoben. Die 1920 durch erneuten Brand entstandenen Schäden konnten innerhalb von zwei Jahren beseitigt werden. Wesentlich länger dauerte der Aufbau der Kirche nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Erst 1959 wurde die Rekonstruktion von St. Peter und Paul als dreischiffige Hallenkirche in den Formen der westfälischen Gotik abgeschlossen. Im Innern der Propsteikirche präsentieren sich dem Besucher zahlreiche Kunstwerke aus verschiedenen Epochen. Sehenswert sind dabei vor allem der romanische Taufstein aus der Zeit um 1175, der Reliquienschrein der heiligen Perpetua und ihrer Sklavin Felicitas, sowie der Hochaltar mit seiner Christusfigur aus dem Jahr 1352. 

Text: Presse- und Informationsamt der Stadt Bochum



Sehenswürdigkeiten:


Hochaltar und Chorfenster
Der Hochaltar ist ein Flügelaltar. Seine Flügel waren ursprünglich Bestandteil des Hochaltares der Kapelle des benachbarten St. Elisabeth-Hospitals und hingen danach eine Zeitlang im Eingangsbereich dieser Kapelle. Im Zuge einer großen Renovierung der Kirche 1976/77 holte der damalige Propst Johannes Stüting diese Tafeln in die Kirche.
Die Motive zeigen von links nach rechts: Die Geburt Christi (1), das Letzte Abendmahl (2), den Pelikan (in der Mitte über dem Tabernakel) (3), die Kreuzigung (4) und die Krönung Mariens (5). Die Tafeln 1 und 5 waren infolge früherer unsachgemäßer Abbeizarbeiten stark beschädigt, die Tafeln 2 und 4 befinden sich noch im Originalzustand. Im letzten Halbjahr 1989 wurden die Tafeln 1 und 5 in der Werkstatt der Firma Ochsenfarth in Paderborn in Anpassung and die Tafeln 2 und 4 restauriert.
Die Chor-Fenster, das Westfenster (gestaltet von dem Künstler Rengshausen) sowie das Perpetua-Fenster an der Südseite neben dem Marienaltar und die beiden Rundfenster über den Seitenaltären (geschaffen von dem Künstler Ludwig Baur) stammen aus den sechsiger Jahren.
Das mittlere Chorfensterzeigt heilsgeschichtliche Ereignisse aus dem Leben Jesu. Von unten nach oben sind die Verkündigung, die Geburt, die Kreuzigung, die Auferstehung und die Himmelfahrt dargestellt. Im Abschluß über den Fenster sind drei ineinander verschlungene Ringe zu sehen: Das Symbol der Heiligsten Dreifaltigkeit.
Das linke Chorfenster zeigt von unten nach oben Darstellungen aus dem Leben des Hl. Petrus: Die Berufung, die Fußwaschung, Petrus vor dem Hohen Rat, die Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis durch den Engel und die Kruzigung des Petrusmit dem Kopf nach unten. Im Abschluß sind zwei gekreuzte Schlüssel als Zeichen der Binde- und Lösegewalt dargestellt.
Das rechte Chorfenster zeigt aus dem Leben des Hl. Paulus die Berufung vor Damaskus, die Taufe, Paulus in Athen auf dem Areopag, Schiffbruch des Paulus und seine Enthauptung. Oben im Abschluß sieht man Martyrerkrone, Palme und Schwert.


Orgel

Die Orgel wurde in den Jahren 1958/59 gebaut und am 08. Mai 1959 geweiht. Der Entwurf stammt von Dr. Rudolf Reuter, Münster, gebaut wurde sie von der Firma Franz Breil, Dorsten. Die Orgel hat 44 klingende Register, verteilt auf vier Manuale und ein Pedal. Sie besteht aus fünf Hauptteilen: dem Hauptwerk mit elf Registern, dem Rückpositiv mit zehn Registern, dem Brustwerk (Schwellwerk) mit zehn Registern, dem Trompetenwerk mit drei Registern und dem Pedalwerk mit zehn Registern.

 

Strahlenkranz-Madonna
Im Mittelschiff hängt das Bild einer Strahlenkranz-Madonna - Maria, Königin des Friedens. Dieses Bild hängt seit dem 30. September 1983 in unserer Kirche. Es ist eine originalgetreue Replik der gotischen Doppelmadonna im Erzbischöflichen Diözesanmuseum in Paderborn (hier ist sie heute nur noch halbseitig). Das Original entstand um 1500 am Niederrhein.
Die 39 Holzstrahlen sind doppelseitig geschnitzt. Beidseitig umgeben 10 große und 100 kleine Rosenmedaillons die Madonna.
Am 4. November 1983, dem 39. Jahrestag der fast totalen Zerstörung Bochums durch einen Bombenangriff, wurde diese Strahlenkranz-Madonna in einer ökumenischen Betstunde mit der Bochumer Bevölkerung unter dem Titel "Königin des Friedens" geweiht. An dieser Betstunde nahmen damals auch viele Politiker teil.

 

Perpetua Fenster
Das Perpetua-Fenster zeigt in der Mitte groß die Darstelung der Hl. Perpetua (links) und Felizitas (rechts). In der linken Spalten sieht man neben dem Bild der Hl. Perpetua von oben nach unten Szenen aus dem Leben dieser Heiligen, in der rechten Spalte neben dem Bild der Hl. Felizitas ebenfalls Szenen aus deren Leben. In unteren Teil ist auf der gesamten Breite des Fensters das Martyrium der beiden Heiligen dargestellt. Sie wurden von einer wilden Kuh getötet.

 

Marien-Altar
Das Alter des Marien-Altares ist nicht genau bekannt. Er stand bis etwa 1959 an der Nordseite, dort, wo heute der Kreuz-Altar steht. In der Mitte des Altares befindet sich ein Gemälde mit der "Ittenbach-Madonna". Det Titel des Bildes lautet: Maria mit dem Rosenkranz. Das Bild wurde von dem Maler Franz Ittenbach (1813 bis 1879) gemalt und ist ein spätnazarenisches Werk. 1978 wurde auf dieses Werk ein Säureattentat verübt. Die Restaurierung wurde meisterlich durgeführt. Nur ein sehr gutes Auge kann noch Spuren des Attentates entdecken. Das Bild ist umrahmt von der Darstellung der 15 Rosenkranz-Geheiminisse in Holzschnitzarbeit. Unter dem Bild sind an der Kerzenbank zehn wappenige Reliefs zu sehen. Sie stellen Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei dar. In unteren Teil des Altares steht in einer Nische hinter einem verglasten Gitter der Schrein der Hl. Perpetua. Sein Kernwerk ist auf etwa 1100 zu datieren, die Emaillearbeiten auf etwa 1200, die silbergetriebenen Apostelfiguren auf etwa 1450 bis 1560. Im Jahre 1881 wurde der Schrein restauriert.

 

Ostensorium mit dem "Schweißtuch der Veronika" 
Das Sakramentshäuschen (Ostensorium) ist auf etwa 1460 zu datieren. Sein ursprünglicher Standort bis zur Erweiterung des Chores war auf der Nordseite. Es dienste zur Aufbewahrung des Allerheiligsten (Ziborium, Monstranz). Es wurde später durch den Tabernakel ersetzt.
Oberhalb des Ostensoriums ist eine Abbildung der Hl. Veronika, die in den Händen das Schweißtuch mit dem darin abgebildeten Antlitz Christi hält. Der Giebel mit seinem Figurenschmuck ist der krönende Abschluß, der auf die wirkliche Gegenwart Christi unter der Brotsgestalt hinweist.
Das Sakramenthäuschen, 1874 bei der Chorerweiterung abgetragen und stark beschädigt, lagerte zunächst auf dem Dachboden der Weilenbrinkschule. Später kam es in das Diözesan-Museum nach Paderborn. Bei der Renovierung der Kirche 1958-59 wurde es in der auf alten Fundamenten der Lateinschule aufgebauten Sakramentskapelle auf einer alten Altarmensa wieder aufgestellt. Gitter und Verglasung wurden dabei neu angefertigt.

 

Bild "Anbetung der Hirten"
An der Seitenwand der Sakramentskapelle befindet sich das Gemälde "Anbetung der Hirten". Dieses Gemälde, eine Kopie des taubstummen Malers Martin Fuchs aus dem Jahre 1776, wurde 1989 nach einer umfassenden Restaurierung wieder an seinem alten Platz angebracht. Bei dieser restaurierung stellte man fest, dass mehrere (bis zu sieben) Farbschichten übereinandergemalt waren. Nach Abtragen dieser Schichten kamen die heutigen (und ursprünglichen!) Farben zum Vorschein.
Das Original dieser Kopie von dem niederländischen Maler Hondhorst aus dem Jahre 1676 hängt in Köln im Wallraf-Richartz-Museum.

 

Großes Westfenster
Das große westfenster zeigt im Mittelpunkt "Christus der Weltenrichter". Im Endgericht wird Christus sagen: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan". So sind in dem Fenster die Heiligen der Nächsteliebe abgebildet: Vinzenz von Paul, Walburga, Martin von Tours, Don Bosco, Elisabeth und Ida. Die fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen sollen uns zu Bereitschaft für die Ankunft des Herrn mahnen.

 

Text: P. Kühne (aus dem Buch: "Rundgang durch die Propsteikirche")

Bilderquelle: K. Grotenhermen, Tania Lobo (Orgel)